05.12.2021

Interference

Schlagworte: 

Richard Barrett - Interference (1996-2000)
for contrabass clarinet solo, voice and bass drum

Carl Rosman, contrabass clarinet/voice/bass drum

Janet Sinica, video/editing
Jan Böyng, editing
Stephan Schmidt, recording producer/editing

 

Programme note by carl Rosman

(deutsche Version unten)

Some pieces are more personal than others: for me, Interference is very much at one end of the spectrum.

The score tells me that Richard started this piece, commissioned by the ELISION Ensemble, in 1996. I no longer know precisely (this was back in the days of telephone calls, and of slowly self-erasing faxes on thermal paper) at what point Richard informed me that he had dreamt a beginning in which I sang Latin in high falsetto while accompanying myself on a pedal bass drum. But so it happened, and it has been a great pleasure to watch the reactions of many different audiences to the opening over the last twenty-plus years.

Richard being Richard, he was of course interested in exploring specifics of my voice. I had no real training beyond a handful of lessons and many hours spent singing in various choirs and chamber groups, but I had done a few little experiments for myself over the years (partly spurred by hearing Julius Eastman’s recording of Peter Maxwell Davies’ Eight Songs for a Mad King), and Richard had heard me perform solos such as Globokar’s Voix Instrumentalisée and Richard David Hames’ Zurna which combine clarinet playing with various kinds of vocal gymnastics. I knew that he had a thing about F natural and was happy to inform him that f’’ at the top of the treble stave was a nice safe-ish limit for my falsetto; at the other end of the range I could reach the lowest note of the contrabass clarinet as an inhaled subharmonic, a fact which Richard exploited in having the opening vocal solo end, and the following first entry of the instrument begin, on this very note.

As it happened, interference gave me a modest unexpected parallel career as a vocalist: Xenakis’s Kassandra was an obvious next port of call, and was followed by performances in Vienna, staged by La Fura dels Baus, of Xenakis’s complete Oresteïa. (Among other things, I was required to run up the steps of the Karlskirche wearing stilts.) The first of several requests to sing Eight Songs for a Mad King (an unforgettable experience, with Max himself in attendance) followed not long after—all ultimately thanks to Richard’s dream of interference’s opening, and most appropriate given that it was Max’s piece which had piqued my curiosity in the kinds of singing I brought to interference.

Richard joked around the time of the premiere that there was presumably no need for an exclusivity clause in the commission contract. As it turned out, not even two years had elapsed since the first performance (in May 2000) when Dominique Clément gave the Paris premiere, and the piece has not lacked for performers since (Richard Haynes, Theo Nabicht, and Lori Freedman to name a few)—testimony of the power of unusual performance demands to attract adventurous performers rather than, as is usually feared, the opposite.

I remember thinking early in the work’s career, concerning the vocal part: I wonder if I’ll still be able to do this at 40? As it turned out, my misgivings were to a certain extent justified. 40 was fine, as it turned out, but for my vocal cords at 50 the sustained high beginning is just a little too much of a strain. It’s a pity, since the purely instrumental side of the piece has never been quite so enjoyable, and recent advantages in page-turning technology have certainly improved the logistical side of things—and only now has there been such a good chance to make a video, as part of the wave of such things prompted by a certain pandemic. Alas, I now have to start the piece a whole-tone lower than written (with Richard’s kind understanding)—not the happiest chapter for me in the interference story, but part of it nonetheless. I don’t know how much longer it will make sense for me to continue to perform what has probably been my signature piece for most of my professional career. But for now I can still stand by the result, and hopefully there will be a few more chances yet before I have to start the piece any lower…

 

Programmtext von Carl Rosman

Manche Stücke sind persönlicher als andere: Für mich liegt Interference ganz am einen Ende des Spektrums.

Der Partitur entnehme ich, dass Richard dieses Stück, das vom ELISION Ensemble in Auftrag gegeben wurde, 1996 begonnen hat. Ich weiß nicht mehr genau (das war in der Zeit der Telefonanrufe und der sich langsam selbst löschenden Faxe auf Thermopapier), wann Richard mir mitteilte, dass er einen Anfang geträumt habe, in dem ich in hohem Falsett Latein singe und mich dabei auf einer Pedal-Bassdrum begleite. Aber so geschah es, und es war eine große Freude, die Reaktionen vieler verschiedener Zuhörer auf die Eröffnung in den letzten mehr als zwanzig Jahren zu beobachten.

Da Richard nunmal Richard ist, war er natürlich daran interessiert, die Besonderheiten meiner Stimme zu erforschen. Ich hatte keine wirkliche Ausbildung, abgesehen von einer Handvoll Unterrichtsstunden und vielen Stunden, die ich mit dem Singen in verschiedenen Chören und Kammermusikgruppen verbracht hatte, aber ich hatte im Laufe der Jahre ein paar kleine Experimente für mich selbst gemacht (teilweise angeregt durch das Hören von Julius Eastmans Aufnahme von Peter Maxwell Davies' Eight Songs for a Mad King), und Richard hatte mich Solos wie Globokars Voix Instrumentalisée und Richard David Hames' Zurna spielen hören, die Klarinettenspiel mit verschiedenen Arten von Stimmgymnastik kombinieren. Ich wusste, dass er ein Faible für das F natural hatte, und war froh, ihm mitteilen zu können, dass das f'' am oberen Ende des Diskantsystems eine schöne sichere Grenze für mein Falsett war; am anderen Ende des Tonumfangs konnte ich die tiefste Note der Kontrabassklarinette als eingeatmete Subharmonische erreichen, eine Tatsache, die Richard ausnutzte, indem er das eröffnende Vokalsolo auf genau dieser Note enden und den folgenden ersten Einsatz des Instruments beginnen ließ.

Wie es der Zufall wollte, bescherte mir Interference eine bescheidene, unerwartete Parallelkarriere als Sänger: Xenakis' Kassandra war ein naheliegender nächster Anlaufpunkt, und es folgten Aufführungen in Wien, inszeniert von La Fura dels Baus, von Xenakis' kompletter Oresteïa. (Unter anderem musste ich auf Stelzen die Stufen der Karlskirche hinauflaufen.) Die erste von mehreren Anfragen, Eight Songs for a Mad King zu singen (ein unvergessliches Erlebnis, bei dem Max selbst anwesend war), folgte nicht lange danach - alles letztlich dank Richards Traum von der Eröffnung von Interference, und sehr passend, da es Max' Stück war, das meine Neugier auf die Art von Gesang, die ich zu Interference mitbrachte, geweckt hatte.

Richard scherzte um die Zeit der Premiere herum, dass es vermutlich keine Exklusivitätsklausel im Auftragsvertrag geben müsse. Wie sich herausstellte, waren seit der ersten Aufführung (im Mai 2000) nicht einmal zwei Jahre vergangen, als Dominique Clément die Pariser Erstaufführung gab, und seitdem hat es dem Stück nicht an Interpreten gefehlt (Richard Haynes, Theo Nabicht und Lori Freedman, um nur einige zu nennen) - ein Beweis dafür, dass ungewöhnliche Aufführungsanforderungen abenteuerlustige Interpreten anziehen und nicht, wie gewöhnlich befürchtet, das Gegenteil.

Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn der Arbeit an dem Werk in Bezug auf die Gesangsstimme dachte: "Werde ich das mit 40 noch können?" Wie sich herausstellte, waren meine Bedenken bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt. Mit 40 ging es, wie sich herausstellte, noch gut, aber für meine Stimmbänder ist der anhaltende hohe Anfang mit 50 einfach eine zu große Belastung. Das ist schade, denn die rein instrumentale Seite des Stücks hat noch nie so viel Spaß gemacht, und die jüngsten Fortschritte in der Umblättertechnik haben die logistische Seite der Dinge sicherlich verbessert - und erst jetzt hat sich eine so gute Gelegenheit ergeben, ein Video zu machen, als Teil der Welle solcher Dinge, die durch eine gewisse Pandemie ausgelöst wurde. Leider muss ich das Stück jetzt einen ganzen Ton tiefer beginnen als geschrieben (mit Richards freundlichem Verständnis) - nicht das glücklichste Kapitel für mich in der Interference-Geschichte, aber immerhin ein Teil davon. Ich weiß nicht, wie lange es für mich noch Sinn machen wird, dieses Stück aufzuführen, das wahrscheinlich den größten Teil meiner beruflichen Laufbahn mein Markenzeichen war. Aber im Moment kann ich noch zu dem Ergebnis stehen, und hoffentlich gibt es noch ein paar weitere Gelegenheiten, bevor ich das Stück noch tiefer ansetzen muss...

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